• Autor: Abram Svoboda
Der chinesische Hersteller Huawei hat auf seiner Keynote in Peking am 1. Oktober 2026 eine neue Generation seiner Flaggschiff-Smartphones vorgestellt – die Mate-90-Reihe. Der Hersteller setzt dieses Jahr auf eine beispiellos breite Modellpalette, ein neues Design und zahlreiche technische Merkmale, mit denen er seine Position an der Spitze des Smartphone-Hardware-Segments behauptet. Für deutsche Kunden ist die Situation allerdings komplizierter: Nicht alle Huawei-Flaggschiffe gelangen über den offiziellen Vertriebsweg nach Deutschland, und bei der Software muss zwischen den Marktversionen unterschieden werden. Während hier erhältliche Modelle wie die Pura-80-Serie auf Android-basiertem EMUI ohne Google-Dienste laufen, verwendet die chinesische Mate-90-Reihe Huaweis eigenes HarmonyOS ohne Google-Dienste. Was bietet die neue Mate-90-Reihe, womit überrascht sie und wie steht es um ihre Verfügbarkeit in Deutschland?
Für Huawei ist die Mate-90-Serie die wichtigste Produkteinführung dieses Herbstes. Die Marke behauptet sich auf ihrem chinesischen Heimatmarkt dauerhaft an der Spitze und zeigt, dass sie auch unter den anhaltenden US-Sanktionen (ohne Zugang zu Googles GMS und ohne die modernsten Fertigungsverfahren) ein konkurrenzfähiges Flaggschiff entwickeln kann. Das Mate 90 zeigt, was Huawei aus eigener Kraft leisten kann: ein neuer Kirin-Chip, ein neues Display, überarbeitete Software – alles mit einem starken Schwerpunkt auf Kamera und Akkulaufzeit. Für das deutsche Publikum bleibt jedoch derselbe Haken wie bei früheren Flaggschiffen: Die gesamte chinesische Reihe läuft mit HarmonyOS 7 ohne Google Play Store und weitere Google-Dienste, und außerdem steht bislang keineswegs fest, welche der fünf Modelle offiziell in Deutschland vertrieben werden.
Huawei setzt bei der Mate-90-Serie dieses Jahr auf eine beispiellose Auswahl aus fünf Modellen, die sich nicht nur wie üblich bei Kamera und Akku unterscheiden, sondern auch beim Chipsatz selbst. Statt eines einzigen Kirin-Chips für die gesamte Reihe, wie wir es bei der Mate-80-Serie gesehen haben, führt Huawei dieses Jahr drei unterschiedliche Versionen ein – den Kirin 9030 für das Basismodell, den Kirin 9035 für die Pro-Version und den leistungsstärksten Kirin 9050 Pro für Pro Max, Collector's Edition und RS Ultimate Design.
Die Aufteilung in fünf Modelle ermöglicht es Huawei, sowohl den Massenmarkt als auch das oberste Preissegment gleichzeitig anzusprechen. Wenn Sie eine Spitzenkamera und das größte Display möchten, müssen Sie zum Pro Max greifen. Für ein „klassisches“ Flaggschiff-Erlebnis ohne modulares Zubehör genügt das Pro. Collector's Edition und RS Ultimate Design sind dagegen Statussymbole für alle, die etwas anderes besitzen möchten als ihr Nachbar.
Huawei hat das Design der Mate-90-Serie deutlich überarbeitet. Die Displayränder sind noch schmaler geworden (ein symmetrischer, 1,5 mm breiter Rand um das gesamte Panel), das Kameramodul auf der Rückseite hat eine neue kreisrunde Form mit umlaufender LED-Beleuchtung erhalten, und das Smartphone ist insgesamt flacher und leichter. Konkret misst das Mate 90 Pro 163,4 × 76,1 × 7,8 mm und wiegt 218 Gramm.
Farbvarianten für den chinesischen Markt:
Bei den Materialien kombiniert Huawei Aluminium in Luftfahrtqualität (Basismodell Mate 90), Titan Grade 5 (Pro Max, Collector's Edition) und Keramik mit Details aus 24-karätigem Gold beim RS Ultimate Design. Auf der Rückseite kommen Glas und Leder zum Einsatz (je nach Farbvariante). Alle Modelle sind nach IP68/IP69 zertifiziert – Schutz gegen Staub, gegen Untertauchen bis zu einer Tiefe von 6 Metern und gegen heiße Wasserstrahlen (praktisch auf Reisen in den Tropen oder beim Hantieren an der Kaffeemaschine). Damit liegen sie deutlich über der Konkurrenz, die üblicherweise Schutz bis zu einer Tiefe von 2 Metern bietet.
Die auffälligste technische Neuerung der gesamten Serie ist die Spitzenhelligkeit von 12.000 Nits bei den Modellen Mate 90 Pro, Pro Max, Collector's Edition und RS Ultimate Design – also das Vierfache dessen, was die neuesten Flaggschiffe von Samsung oder Apple bieten. Der Wert gilt bei 1 % APL (Average Picture Level, also wenn nur ein sehr kleiner Bildschirmausschnitt aufleuchtet, typischerweise ein HDR-Highlight), doch auch für die Helligkeit über die gesamte Fläche nennt Huawei beeindruckende 2.400 Nits. Die teureren Modelle verwenden außerdem die zweite Generation des Linglong-Displays mit einer zweischichtigen OLED-Struktur für einen höheren Kontrast und sattere Farben.
Displaydaten des Mate 90 Pro:
Das Mate 90 Pro Max erhält ein größeres 6,9"-OLED-Display mit derselben Auflösung von 2.848 × 1.320 Pixeln und denselben Eigenschaften wie die Pro-Version. Für Liebhaber großer Displays ist es die beste Wahl innerhalb der Reihe.
Das Basismodell Mate 90 hat ein kleineres 6,75"-OLED-Display mit einer Spitzenhelligkeit von „nur“ 6.000 Nits (was weiterhin mit Samsungs Spitzenangebot aus dem Frühjahr dieses Jahres vergleichbar ist). Alle Modelle unterstützen Dolby Vision und HDR10+, sodass gestreamte Inhalte von Netflix, Disney+ oder Apple TV+ hervorragend aussehen sollten.
Huawei unterscheidet dieses Jahr erstmals in der Geschichte der Mate-Serie den Chipsatz je nach Modellausstattung:
Huawei nennt das Fertigungsverfahren offiziell nicht (vermutlich wegen der sensiblen Sanktionslage). Laut Informationen aus der Lieferkette handelt es sich bei allen drei Chips um SMIC N+2 mit 6 nm oder möglicherweise um das neuere N+3-Verfahren. Die Konfiguration des leistungsstärkeren Kirin 9035:
Die reine Rechenleistung bleibt sowohl hinter dem neuesten Snapdragon 8 Elite Gen 5 als auch hinter dem kürzlich vorgestellten Snapdragon 8 Elite Gen 6 mit 2-nm-Fertigung und 5-GHz-CPU zurück. Huawei gleicht das durch die Softwareoptimierung von HarmonyOS 7 aus, das auf der eigenen Hardware naturgemäß besser abgestimmt ist als Android. In AnTuTu-Benchmarks soll das Mate 90 Pro Max mit dem Kirin 9050 Pro an die Marke von 2,5 Millionen Punkten herankommen – das entspricht dem Niveau des letztjährigen Snapdragon 8 Elite Gen 4 und nicht dem der neuesten Chips.
In der Praxis bedeutet das für Sie: ein flüssiger Alltagsbetrieb und auch anspruchsvollste mobile Spiele laufen problemlos (Genshin Impact mit maximalen Einstellungen einschließlich Raytracing), bei synthetischen Benchmarks bleibt das Gerät allerdings hinter der Konkurrenz zurück. Wenn Sie die technischen Daten vergleichen, schneidet die Snapdragon-Elite-Variante „nach Zahlen“ besser ab; im tatsächlichen Einsatz werden nur anspruchsvolle Spieler den Unterschied bemerken.
Als Software kommt HarmonyOS 7 zum Einsatz – die neueste Version von Huaweis eigener Plattform. Gegenüber der vorherigen Version 6 bringt sie folgende Neuerungen:
Wichtiger Hinweis für deutsche Nutzer: HarmonyOS 7 bietet weiterhin keine Google Mobile Services (GMS). Das bedeutet: kein Google Play Store, kein Gmail, keine Google Maps, kein YouTube und kein Google Assistant. An ihre Stelle treten Huaweis eigene AppGallery, Petal Mail, Petal Maps und Celia. Einige europäische Apps lassen sich über alternative Wege nachinstallieren, doch für den durchschnittlichen deutschen Nutzer ist dies das größte Hindernis bei der Entscheidung für ein Mate 90.
Huawei legt bereits seit der Mate-10-Serie großen Wert auf die Kameras, und das Mate 90 setzt diesen Trend fort – dieses Jahr allerdings mit einer deutlichen Differenzierung zwischen den Modellen. Den interessantesten Fortschritt bringt das Mate 90 Pro Max, dessen Kamera in einer völlig anderen Liga spielt als die der übrigen Modelle.
Die Pro-Version bietet folgende Ausstattung:
Die Pro-Max-Variante bildet bei der Kamera die Spitze der gesamten Reihe. Die wichtigsten Unterschiede gegenüber dem Pro:
Die interessanteste Softwarefunktion der gesamten Reihe ist der Dynamikumfang von 18 EV – Huawei erreicht ihn durch computergestütztes HDR aus mehreren Belichtungen in Kombination mit KI-Verarbeitung. Es handelt sich also nicht um den nativen Dynamikumfang einer einzelnen Sensoraufnahme (der bei Smartphone-Bildsensoren üblicherweise bei etwa 10–12 EV liegt), sondern um das Ergebnis einer schnellen Belichtungsreihe aus mehreren Aufnahmen, die zu einem Foto zusammengefügt werden. Das Ergebnis sind Bilder mit einem enormen Unterschied zwischen den hellsten und dunkelsten Bereichen der Szene, ohne dass dabei Details verloren gehen. Zum Vergleich: Professionelle Vollformat-Spiegelreflexkameras erreichen heute etwa 14–15 EV direkt aus einer einzelnen Aufnahme, ohne rechnerische Unterstützung.
Das Basismodell Mate 90 (ohne Pro) erhält eine etwas schwächere, aber weiterhin hervorragende Ausstattung – eine 50-MP-Hauptkamera und ein 50-MP-Teleobjektiv (88 mm, f/2,2, 4-facher Zoom); Ultraweitwinkel- und Selfie-Kamera bleiben mit denen des Pro identisch. Die variable Blende des Hauptsensors fehlt. Gegenüber dem Mate 80, das „nur“ ein 12-MP-Teleobjektiv hatte, ist das jedoch ein gewaltiger Schritt nach vorn – und genau damit spricht Huawei dieses Jahr Fotobegeisterte mit einem begrenzteren Budget an.
Bei Videoaufnahmen sollten das Mate 90 Pro und Pro Max laut den technischen Daten 4K mit 60 fps und 8K mit 30 fps über den Hauptsensor beherrschen, mit Unterstützung für Dolby Vision HDR und 10-Bit-Aufzeichnung. Für professionelle Videos soll auch ein LOG-Profil verfügbar sein. Die Stabilisierung soll OIS und EIS kombinieren, sodass selbst Aufnahmen beim Gehen oder Laufen flüssig wirken sollten – die tatsächliche Videoqualität und Stabilisierung wird allerdings erst ein ausführlicher Test zeigen.
Die Akkulaufzeit ist eine weitere Stärke der gesamten Reihe. Die Akkus unterscheiden sich je nach Modell:
Zum Vergleich: Das Samsung Galaxy S26 Ultra bietet 5.000 mAh und Laden mit 45 W. Huawei bietet damit bei der gesamten Mate-90-Reihe eine spürbar höhere Kapazität und Ladegeschwindigkeit als die Konkurrenz.
Tatsächliche Akkulaufzeit laut Huawei:
Die Mate-90-Serie bietet:
| Merkmal | Huawei Mate 90 | Huawei Mate 90 Pro | Huawei Mate 90 Pro Max |
|---|---|---|---|
| Display | 6,75" OLED LTPO | 6,75" OLED LTPO | 6,9" OLED LTPO (Linglong, 2. Generation) |
| 1–120 Hz, 2.848 × 1.276 px | 1–120 Hz, 2.848 × 1.276 px | 1–120 Hz, 2.848 × 1.320 px | |
| Spitzenhelligkeit 6.000 Nits | Spitzenhelligkeit 12.000 Nits | Spitzenhelligkeit 12.000 Nits | |
| Displayschutz | Kunlun Glass 3 | Kunlun Glass 3 | Kunlun Glass 3 |
| Prozessor | Kirin 9030 | Kirin 9035 „Tau“ | Kirin 9050 Pro |
| Grafik | Maleoon 920 (mit Hardware-Raytracing) | Maleoon 920 (mit Hardware-Raytracing) | Maleoon 930 (mit Hardware-Raytracing) |
| Speicher | 12/256 GB, 12/512 GB, 16/1 TB | 12/256 GB, 16/512 GB, 16/1 TB | 12/512 GB, 16/512 GB, 16/1 TB |
| Kamera | 50-MP-Hauptkamera (f/1,8) | 50-MP-Hauptkamera, variable Blende f/1,4–f/4,0 | 50-MP-Hauptkamera + 200-MP-RYYB-Periskop |
| 50-MP-Teleobjektiv (88 mm, f/2,2, 4-facher Zoom) | 50-MP-Teleobjektiv (88 mm, f/2,2, 4-facher Zoom) + ToF | 4-fach optisch, 8-faches Äquivalent, 100-fach digital | |
| 50-MP-Ultraweitwinkelkamera (120°) | 50-MP-Ultraweitwinkelkamera (120°) | 40-MP-Ultraweitwinkelkamera + Ruiying-Z10-Modul (optional) | |
| Selfie | 13 MP mit Autofokus | 13 MP mit Autofokus | 13 MP mit Autofokus |
| Video | 4K60, 8K30 (Hauptsensor) | 4K60, 8K30, Dolby Vision HDR | 4K120, 8K30, Dolby Vision HDR, LOG |
| Akku | 6.600 mAh, Silizium-Kohlenstoff | 6.600 mAh, Silizium-Kohlenstoff | 6.600 mAh, Silizium-Kohlenstoff |
| 66 W kabelgebunden + 50 W kabellos + 5 W Reverse Charging | 100 W kabelgebunden + 50 W kabellos + 10 W Reverse Charging | 100 W kabelgebunden + 50 W kabellos + 18 W Reverse Charging | |
| Schutzart | IP68/IP69 (6 m) | IP68/IP69 (6 m) | IP68/IP69 (6 m) |
| Abmessungen / Gewicht | 161,8 × 75,2 × 7,9 mm | 163,4 × 76,1 × 7,8 mm | 168,2 × 80,5 × 8,4 mm |
| 205 g | 218 g | 240 g | |
| Konnektivität | 5G, Wi-Fi 6E, BT 5.4, NFC, USB-C 3.2 | 5G, Wi-Fi 7, BT 5.4, NFC, USB-C 3.2, UWB | 5G, Wi-Fi 7, BT 5.4, NFC, USB-C 3.2, UWB |
| Software | HarmonyOS 7 (ohne GMS) | HarmonyOS 7 (ohne GMS) | HarmonyOS 7 (ohne GMS) |
| Einstiegspreis in China | ab 5.499 CNY (offizieller Euro-Preis noch nicht bekannt) | ab 6.999 CNY (offizieller Euro-Preis noch nicht bekannt) | ab 9.499 CNY (offizieller Euro-Preis noch nicht bekannt) |
In China startet die Mate-90-Serie mit folgenden Preisen; offizielle Euro-Preise für den deutschsprachigen Raum sind noch nicht bekannt:
Für deutsche Kunden ist die Situation nicht eindeutig. Huawei hat nach 2019 (US-Sanktionen und Verlust des Zugangs zu Google Mobile Services) sein europäisches Angebot an Flaggschiff-Modellen deutlich reduziert, den europäischen Markt aber nicht vollständig verlassen. Einige Modelle gelangen weiterhin in den offiziellen deutschen Vertrieb – aktuell finden Sie bei Alza beispielsweise das Pura 80 Ultra; faltbare Modelle der Mate-X-Reihe werden ebenfalls je nach Generation und Markt angeboten, während die Mate-80-Reihe nicht zum aktuellen Huawei-Angebot bei Alza.de gehört. Es handelt sich jedoch stets nur um eine Auswahl aus dem vollständigen chinesischen Angebot; für die Mate-90-Serie hat Huawei bislang keinen offiziellen Marktstart in Europa angekündigt, sodass offenbleibt, wie viele Modelle (und ob überhaupt welche) nach Deutschland kommen.
Wie sieht das in der Praxis aus? Ein offizieller Vertrieb des Mate 90 ist bislang nicht bestätigt, doch nach dem Vorbild der Pura-80- und Mate-X-Reihen könnten zumindest ausgewählte Modelle (wahrscheinlich Pro oder Pro Max) mit einigen Monaten Verzögerung nach Deutschland kommen. Falls Huawei dies nicht ankündigt, bleibt der Import der chinesischen Version über spezialisierte Händler als Möglichkeit – allerdings mit einigen Fallstricken (die deutsche Übersetzung des Systems ist möglicherweise unvollständig, Garantiefragen werden über den Importeur statt über den Hersteller abgewickelt, die 5G-Bänder entsprechen der chinesischen Variante, und die Satellitenkommunikation über Beidou funktioniert nicht in europäischen Mobilfunknetzen). Wir ergänzen das Angebot, sobald Huawei konkrete Preise für Deutschland und die verfügbaren Varianten bekannt gibt.
Das wichtigste Entscheidungskriterium für deutsche Kunden bleibt jedoch unverändert: HarmonyOS 7 hat keine Google Mobile Services. Kein Play Store, kein Gmail, keine Google Maps, kein YouTube und kein Google Assistant. An ihre Stelle treten Huawei AppGallery, Petal Mail, Petal Maps und Celia. Einige Apps lassen sich über alternative Wege nachinstallieren (APK-Sideloading, Aurora Store), doch für den durchschnittlichen deutschen Nutzer ist dies ein großer Kompromiss. Wenn Sie an Android gewöhnt sind und sich ein Leben ohne Google nicht vorstellen können, wird Ihnen das Mate 90 nicht das bieten, was Sie erwarten. Wenn Sie dagegen bereits ein alternatives Ökosystem nutzen oder bereit sind, auf HarmonyOS umzusteigen, gehört das Mate 90 bei der Hardware zum Interessantesten, was dieser Herbst hervorgebracht hat.