• Autor: Adam Růžička
MediaTek hat zwei neue mobile Chipsätze vorgestellt, den Dimensity 9600 Pro und den Dimensity 9600M. Während der erstgenannte auf die leistungsstärksten Telefone abzielt, übernimmt der zweite eine Reihe seiner Technologien und bringt sie in eine etwas zugänglichere Gerätekategorie. Was werden die neuen Chips bieten und welche Änderungen bringen sie im Vergleich zur vorherigen Generation mit sich?
Größere Aufmerksamkeit zieht natürlich der Dimensity 9600 Pro auf sich, den MediaTek zu seinen Flaggschiff-Plattformen zählt. Eine seiner größten Neuerungen ist der Übergang zum 2nm-Fertigungsprozess. Dieser soll laut Hersteller dazu beitragen, die Leistung zu steigern und gleichzeitig den Energiebedarf des gesamten Chips zu senken.
Teil der Plattform ist die vierte Generation der All Big Core CPU-Architektur. Der Prozessor nutzt acht Kerne in einer 2+3+3-Konfiguration, genauer gesagt zwei Arm C2-Ultra und sechs Arm C2-Pro. Im Vergleich zur vorherigen Generation soll die Single-Core-Leistung um bis zu 17 % höher sein, bei gleichzeitiger Reduzierung des Verbrauchs um 37 %. Bei Multi-Core-Aufgaben gibt MediaTek eine Leistungssteigerung von 15 % und eine Verbesserung der Energieeffizienz um bis zu 61 % an.
Einen nicht weniger wichtigen Bestandteil stellt das Speicher-Subsystem dar. Der Dimensity 9600 Pro unterstützt als einer der ersten mobilen Chips LPDDR6 und UFS 5.0-Speicher. MediaTek gibt für ihn eine um bis zu 33 % höhere effektive Speicherbandbreite und die doppelte Lese- und Schreibgeschwindigkeit im Vergleich zur vorherigen Generation an. In der Praxis könnten sich diese Änderungen vor allem durch ein schnelleres Laden von Anwendungen, die Arbeit mit Daten und KI-Modellen bemerkbar machen.
Einen wesentlichen Teil der Präsentation der neuen Chips widmet MediaTek der künstlichen Intelligenz. Der Dimensity 9600 Pro nutzt zwei NPU-Einheiten. Die leistungsstärkere MediaTek NPU 1090 ist für anspruchsvolle generative und agentenbasierte KI-Aufgaben konzipiert, während sich die Super Efficient NPU 2.0 vor allem um weniger anspruchsvolle Hintergrundprozesse kümmern soll.
Diese Kombination soll die Verlagerung einer größeren Menge an KI-Operationen direkt auf das Telefon ermöglichen. Der Hersteller gibt beispielsweise eine um 55 % höhere Anzahl generierter Token pro Watt und eine um bis zu 51 % schnellere Initialisierung von LLMs an. Einige Modelle sollen zudem direkt auf dem Gerät trainiert werden können, was die Möglichkeiten der Arbeit mit KI erweitern kann, ohne Daten in die Cloud senden zu müssen.
Die Leistung soll nicht beim Prozessor aufhören. Der Dimensity 9600 Pro erhält den Grafikkern Arm Mali-G2 Ultra NX und nutzt zusammen mit der NPU die sogenannte Neural Graphics Architecture. Diese verbindet Grafikberechnungen mit künstlicher Intelligenz und soll ein qualitativ hochwertigeres Bild bei gleichzeitiger Beibehaltung einer hohen Bildwiederholrate liefern.
Laut MediaTek soll die neue GPU-Architektur eine um bis zu 27 % höhere Spitzenleistung, eine um 24 % bessere Energieeffizienz und ein um bis zu 18 % schnelleres Raytracing als die vorherige Generation bieten. Die Plattform soll zudem Gaming bei einer Bildwiederholrate von über 185 fps bewältigen. Es fehlt auch nicht an Hardware-Beschleunigung für Raytracing und Technologien, die neuronale Bildverarbeitung für eine bessere Auflösung nutzen.
Auf das Spielerlebnis konzentriert sich auch die MediaTek HyperEngine. In Kombination mit KI soll sie bei der Steuerung von Leistung und Konnektivität helfen, sodass ein flüssiges Spielen auch bei hoher grafischer Belastung aufrechterhalten werden kann.
Künstliche Intelligenz soll sich auch beim Fotografieren deutlich bemerkbar machen. Der Dimensity 9600 Pro nutzt die sogenannte AI Imaging Fusion Architecture, die den Bildprozessor mit der NPU verbindet. Das Ergebnis soll eine fortschrittlichere Verarbeitung von Fotos und Videos direkt im Telefon sein.
Der Chip unterstützt Kameras mit einer Auflösung von bis zu 200 Megapixeln und bewältigt beispielsweise die Aufnahme von 8K-Videos bei 60 Bildern pro Sekunde. Zur Verfügung stehen soll auch eine 4K-Aufnahme bei 120 fps mit elektronischer Stabilisierung und Zeitlupenvideos in 4K bei 240 Bildern pro Sekunde. MediaTek gibt zudem die Unterstützung von 4K-HDR-Videos mit fortschrittlicherer Farbwiedergabe und einer Technologie zur kontinuierlichen Objektverfolgung bei 60 fps an.
Eine Neuheit ist auch die Unterstützung der Hardware-Dekodierung des H.266-Formats. MediaTek gibt an, dass der Dimensity 9600 Pro der erste Smartphone-Prozessor mit dieser Funktion ist. Darüber hinaus unterstützt er auch MV-HEVC für räumliches Video.
Auch die Konnektivität bleibt nicht auf der Strecke. Der Dimensity 9600 Pro erhält ein integriertes 5G-Modem mit Unterstützung für die Aggregation von bis zu fünf Bändern und einer Bandbreite von bis zu 350 MHz. Die theoretische Download-Geschwindigkeit soll 7,4 Gbit/s überschreiten. Teil des Modems ist auch eine KI, die die Netzwerkverbindung in Echtzeit optimieren soll, beispielsweise während des Spielens.
Unterstützt wird ebenfalls Wi-Fi 7 mit einer Geschwindigkeit von bis zu 7,3 Gbit/s und Bluetooth 6.2. MediaTek konzentriert sich auch auf schnellere Übergänge zwischen WLAN-Netzwerken und eine genauere Positionsbestimmung. Beim WLAN-Roaming gibt der Hersteller eine Verkürzung der für den Wechsel zwischen Netzwerken benötigten Zeit um bis zu 90 % an.
Neben dem Flaggschiff-Modell kommt auch sein kleinerer Bruder — der Dimensity 9600M. MediaTek baut ihn auf den vom Dimensity 9600 Pro bekannten Technologien auf und konzentriert sich auf die Kombination von Leistung, KI, Fotografie, Gaming und Konnektivität. Es handelt sich also nicht nur um eine abgespeckte Variante, sondern um eine eigenständige Plattform mit einer Reihe eigener Funktionen.
Die Basis bildet ein Achtkern-Prozessor in einer 1+3+4-Konfiguration. Er besteht aus einem Arm C1-Ultra-Kern, drei C1-Premium- und vier C1-Pro-Kernen. Im Gegensatz zur Pro-Variante wird hier mit LPDDR5X-Speicher und UFS 4.1-Speicher gerechnet. Der Hersteller nutzt gleichzeitig einen großen System-Cache und die Unterstützung von Armv9.3 SME2-Instruktionen, die unter anderem bei KI-Berechnungen helfen sollen.
Auch der Dimensity 9600M baut auf zwei NPU-Einheiten auf. Die leistungsstärkere NPU 990 soll generative und agentenbasierte KI direkt im Telefon übernehmen, während der sparsamere Teil mit Compute-in-Memory-Architektur für ständig aktive Aufgaben vorgesehen ist. Die Unterstützung soll beispielsweise Gemini Nano 4 oder Qwen 3.5 Omni 4B umfassen. Der Hersteller gibt ferner die Generierung von Bildern aus Text in 4K-Auflösung und Funktionen an, die KI nutzen, um das Telefon besser an den Benutzer anzupassen. Direkt in der Kamera wird dann beispielsweise mit smarten Empfehlungen beim Fotografieren gerechnet.
Der Dimensity 9600M konzentriert sich auch auf Mobile-Gaming. Er nutzt die Arm Mali-G1 Ultra MC12-Grafik und die Neural Graphics Architecture. Laut MediaTek kann er bis zu 185 fps erreichen und unterstützt Raytracing bei 120 fps. Die MediaTek MRFC 3.0-Technologie soll zudem bei einigen Spielen die Bildwiederholrate von 60 auf 120 fps erhöhen.
Aufmerksamkeit erhält auch das Fotografieren. Der Chip unterstützt Sensoren mit einer Auflösung von bis zu 320 Megapixeln und soll beispielsweise einen KI-Superzoom, Hilfe bei der Komposition oder eine Bildstabilisierung mit Horizontkorrektur bieten. Videos können bis zu 8K bei 60 Bildern pro Sekunde erreichen, es fehlt auch nicht an 4K bei 120 fps mit EIS. Unterstützt werden auch Displays mit WQHD+-Auflösung und einer Bildwiederholfrequenz von bis zu 180 Hz. Beim Dimensity 9600M erwähnt MediaTek zudem die MiraVision SmartScreen-Technologie, die das Bild bei hoher Helligkeit sowie bei sehr schlechten Lichtverhältnissen optimieren soll. Im Smart Night Mode lässt sich die Helligkeit auf bis zu 1 Nit reduzieren.
Der MediaTek Dimensity 9600 Pro und der Dimensity 9600M zeigen, dass sich die weitere Entwicklung mobiler Chips nicht nur um die klassische Leistung dreht. Immer mehr Raum erhält die künstliche Intelligenz, die sich auf die Funktionsweise des Telefons, das Gaming, das Fotografieren und andere alltägliche Aufgaben auswirkt. Ein wichtiges Thema bleibt auch die Energieeffizienz, da eine höhere Leistung mit einem geringeren Verbrauch einhergehen soll.
Der Dimensity 9600 Pro stellt die leistungsstärkere Variante mit 2nm-Fertigung dar, während der Dimensity 9600M auf ein breiteres Spektrum von Geräten abzielt und eine abweichende Hardware-Ausstattung nutzt. Wie sich ihre Fähigkeiten in der Praxis zeigen werden, wird jedoch erst der Einsatz in konkreten Telefonen zeigen.