Canon hat kürzlich eine Neuheit im Bereich der spiegellosen Kameras mit kleinerem APS-C-Chip-Format in Form des Modells Canon EOS R50 vorgestellt, mit der auch ein neues Objektiv aus der Kategorie der günstigsten Basis-Teleobjektive Canon RF-S 55-210mm f/5-7,1 IS STM vorgestellt wurde. Es ist davon auszugehen, dass dieses Objektiv mit der neuen Kamera in einem preisgünstigeren erweiterten Set mit zwei Objektiven zusammen mit dem Standardzoom Canon RF-S 18-45mm f/4,5-6,3 IS STM erhältlich sein wird. Aus diesem Grund und auch wegen des Preises ist mit einem massenhafteren Einsatz bei den Nutzern zu rechnen, sodass es auf jeden Fall einen eigenen Artikel wert ist.
Auf den ersten Blick wirkt das neue Objektiv Canon RF-S 55-210mm f/5-7,1 IS STM fast ein wenig lächerlich, da der eigentliche Tubus des Objektivs einen etwas kleineren Durchmesser als das Canon RF-Bajonett selbst hat. Es verjüngt sich also in Richtung des Bajonetts leicht, was ziemlich ungewöhnlich ist, da es meistens genau umgekehrt ist. Es geht aber nicht nur um den kleinen Durchmesser, das Objektiv ist als Ganzes in Anbetracht der Brennweite sehr klein, auch wenn wir die Tatsache berücksichtigen, dass es sich nicht um ein Vollformat handelt und es ein Objektiv für das kleinere APS-C Format ist (siehe Bezeichnung des Objektivs Canon RF-S). Ein so kleines Teleobjektiv sieht man einfach nicht alle Tage, und das, obwohl seine längste Brennweite „nur“ 210 mm beträgt. Die äquivalente Umrechnung der Brennweite auf das Kleinbildformat entspricht jedoch einem viel interessanteren und besser nutzbaren Bereich von ca. 88-336 mm.
Das Objektiv Canon RF-S 55-210mm f/5-7,1 IS STM zeichnet sich jedoch nicht nur durch seine extra kleinen Abmessungen aus, sondern auch durch sein sehr geringes Gewicht von nur 270 Gramm, was für ein Teleobjektiv wirklich wenig ist. Dies liegt vor allem daran, dass das Objektiv im Grunde fast vollständig aus Kunststoff besteht, was wahrscheinlich auch die meisten Linsen einschließt (dies ist jedoch nur meine persönliche Einschätzung, da ich diese Information nirgendwo finden und bestätigen konnte). Einige Leute empören sich über Kunststofflinsen, aber Tatsache ist, dass sie schon seit Jahren verwendet werden, nur wird nicht viel darüber gesprochen. Auch das Canon RF-Bajonett besteht aus Kunststoff, was optisch natürlich nicht ganz so gut wirkt, aber meiner Erfahrung nach ist das bei einem Objektiv dieser Kategorie kein grundsätzliches Problem, da hier wirklich nicht mit einem täglichen, harten Einsatz gerechnet wird und bei ordentlichem Umgang das Bajonett jahrelang hält.
| Parameter | Canon RF 24-50mm f/4,5-6,3 IS STM* | Canon RF-S 55-210mm f/5-7,1 IS STM |
|---|---|---|
| Brennweitenbereich | 24-50mm (2x Zoom) | 55-210mm (3,8x Zoom) |
| Sensorabdeckung | Vollformat (Full-frame) | APS-C |
| Bajonett | Canon RF | Canon RF |
| Filtergewinde | 58mm | 55mm |
| Bildwinkel (horizontal) | 74 – 40° | 23 – 6° |
| Lichtstärke | f/4,5-6,3 | f/5-7,1 |
| Maximale Blende | f/22-32 | f/22-32 |
| Anzahl der Blendenlamellen | 7 | 7 |
| Optische Bildstabilisierung | Ja (Wirksamkeit 4,5 EV) | Ja (Wirksamkeit 4,5 EV) |
| Kombination mit kamerainterner Stabilisierung | Ja (Wirksamkeit 7 EV) | Ja (Wirksamkeit 7 EV) |
| Fokussierung | Leiser STM-Schrittmotor | Leiser STM-Schrittmotor |
| Optischer Aufbau | 8 Linsen | 11 Linsen |
| Speziallinsen | 2 asphärische | 1x asphärisch, 2x UD |
| Naheinstellgrenze | 30 – 35 cm | 73 – 100 cm |
| Spezielle Ausstattung | Multifunktionaler AF-Ring | Multifunktionaler AF-Ring |
| Kompatibilität mit Zwischenringen | ✕ | ✕ |
| Kompatibilität mit Telekonvertern | ✕ | ✕ |
| Wetterfestigkeit | ✕ | ✕ |
| Gegenlichtblende | EW-63C (nicht im Preis inbegriffen) | ET-60B (nicht im Preis inbegriffen) |
| Tasche (Beutel) | LP 1014 (nicht im Preis inbegriffen) | LP 1016 (nicht im Preis inbegriffen) |
| Abmessungen | Ca. 70 x 58 mm | Ca. 69 x 135 mm |
| Gewicht | 210 Gramm | 270 Gramm |
| Preis | 190 €* | 430 € |
* Das Objektiv ist im Set mit der Canon EOS R8 erhältlich. Der Preis ist die Differenz zwischen der Version ohne Objektiv (Gehäuse) und mit Objektiv.
Auch wenn das neue Objektiv Canon RF-S 55-210mm f/5-7,1 IS STM also im Grunde komplett aus Kunststoff besteht und ungewöhnlich leicht ist (was bei manchen vielleicht sogar Misstrauen erweckt), so ist es doch sehr angenehm kompakt und macht absolut keinen billigen Eindruck. Die verwendeten Kunststoffe sind hochwertig und die einzelnen Teile sind vorbildlich zusammengefügt. Ein Vorteil kann auch sein, dass heutige Kunststoffe stoßfester sind und in Kombination mit dem geringen Gewicht die Wahrscheinlichkeit geringer ist, dass das Objektiv bei einem eventuellen Sturz zerbricht – im Gegenteil, oft zerbricht eher ein robusteres, schwereres und teureres Objektiv. Auch das Design ist gelungen und es lässt sich gut bedienen. Wir finden an ihm zwei Ringe: einen Haupt- und sehr breiten Ring zur Steuerung des Zooms, wobei sich das Objektiv bei Einstellung auf die längste Brennweite herausfährt und seine Länge deutlich vergrößert. Der zweite, kleinere Ring ist multifunktional; in der Grundeinstellung dient er zur Steuerung des STM-Schrittmotors für die Fokussierung, also für das manuelle Scharfstellen. Wenn Sie sich jedoch auf den Autofokus verlassen, können Sie ihm eine andere, für Sie nützliche Funktion zuweisen, wie zum Beispiel die Einstellung des Weißabgleichs, der ISO-Empfindlichkeit, der Belichtungskorrektur, die Auswahl des Autofokusbereichs, die Steuerung der TV- oder AV-Modi und Ähnliches.
Eine Besonderheit dieses Objektivs im Hinblick auf seine Bedienung ist, dass wir daran keine der üblichen AF/MF-Schalter oder einen Schalter für die Bildstabilisierung finden und alle Einstellungen über das Kameragehäuse vorgenommen werden. Dies mag wie ein zu drastischer Schritt zur Senkung der Produktionskosten erscheinen, aber andererseits ist es wahr, dass diese Schalter in der Praxis nur minimal genutzt werden, sodass der Weg in das Kameramenü nicht allzu störend ist. Auf der anderen Seite gibt es dadurch mehr Platz für den Zoomring, der somit wirklich außergewöhnlich breit ist und dessen Bedienung so einfach ist, dass es sogar blind mit der Kamera am Auge funktioniert, und das auch dann, wenn Sie dieses Objektiv zum allerersten Mal in der Hand halten.
Hinsichtlich der Funktionen ist eindeutig die eingebaute optische Stabilisierung am wichtigsten, die Canon am Objektiv mit der Abkürzung IS kennzeichnet und dank derer Sie mit bis zu 4,5 EV längeren Verschlusszeiten fotografieren können als bei Verwendung eines Objektivs ohne Stabilisierung. Das ist besonders praktisch, wenn Sie mit einer Kamera fotografieren (oder Videos aufnehmen), die über keine eigene Stabilisierung verfügt, wie zum Beispiel die kürzlich vorgestellte Canon EOS R50 oder die Canon EOS R10. Wenn Sie dieses Objektiv jedoch an einer spiegellosen Kamera anbringen, die über eine eigene Stabilisierung direkt am Sensor verfügt (vom Hersteller als Canon IBIS bezeichnet), wie zum Beispiel die Canon EOS R7, dann können die Stabilisierung im Objektiv und in der Kamera zusammenarbeiten. Dadurch lassen sich noch wesentlich längere Belichtungszeiten aus der Hand halten, und das auf einem Niveau von bis zu 7 EV. Eine großartige Leistung erbringt auch der Schrittmotor des Autofokus STM, der sehr schnell, präzise und natürlich auch völlig geräuschlos ist, sodass er sich nicht nur ideal zum Fotografieren, sondern auch zum Aufnehmen von Videosequenzen eignet.
Ganz entscheidend ist natürlich auch die eigentliche Qualität der aufgenommenen Fotos, also vor allem die Schärfe der Zeichnung. In dieser Hinsicht ist das neue Objektiv Canon RF-S 55-210mm f/5-7,1 IS STM wirklich sehr gut aufgestellt - natürlich im Rahmen der jeweiligen Kategorie. Die mit der Kamera Canon EOS R50 aufgenommenen Testfotos sind schön scharf, und das auch in den Bildecken. Weder die Blendeneinstellung noch der Zoom haben einen größeren Einfluss auf die Qualität der Fotos, was ebenfalls sehr positiv bewertet werden kann. Einige Beispiele können Sie sich selbst auf den Beispielfotos ansehen, bei denen es sich um 50%ige Verkleinerungen der Originalfotos im JPG-Format handelt, die mit der neuesten spiegellosen Kamera Canon EOS R50 aufgenommen wurden (zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels standen noch keine RAW-Format-Konverter zur Verfügung und es war nicht möglich, 100%ige Bilder aus Vorproduktionsversionen der Kamera zu präsentieren).
Manch einen mag jedoch die geringere Lichtstärke des Objektivs stören, denn es stimmt, die Blende f/7,1 am längsten Ende des Brennweitenbereichs ist nichts Besonderes mehr. Aber andererseits ist das Objektiv gerade deshalb so klein, leicht und insgesamt so handlich. Heutzutage ist das auch im Hinblick auf nutzbare Belichtungszeiten kein so großes Problem mehr, da sich der Nachteil der geringeren Lichtstärke teilweise dadurch ausgleichen lässt, dass heutige Kameras auch bei sehr hohen ISO-Empfindlichkeiten hochwertige Fotos aufnehmen können. Das kompensiert zwar nicht die Möglichkeit, einen unscharfen Hintergrund und ein besseres Bokeh zu erzielen, aber auch damit lässt sich bis zu einem gewissen Grad arbeiten. Wobei man sich natürlich bewusst sein muss, dass man in diesem Fall einfach nicht die Ergebnisse von professionellen, hochlichtstarken Objektiven erreicht.
Ziemlich interessant ist hingegen die Naheinstellgrenze, die je nach Zoomeinstellung zwischen 73 und 100 Zentimetern liegt, womit sich bereits bei weniger anspruchsvollen Makrofotografien arbeiten lässt, was besonders für Anfänger ein recht interessanter Bonus sein kann. Gute Ergebnisse erzielt das Objektiv auch hinsichtlich Vignettierung und chromatischer Aberration, wobei hier natürlich die Frage ist, inwieweit dies den optischen Qualitäten des Objektivs selbst und inwieweit dem Bildprozessor der verwendeten Kamera zuzuschreiben ist. Letztendlich ist das aber ohnehin egal, denn wichtig ist das Ergebnis und das ist sehr gut.
Zum grundlegenden Zubehör von Objektiven gehören fotografische Filter und so ist es auch beim Objektiv Canon RF-S 55-210mm f/5-7,1 IS STM. Auch wenn in diesem Fall wohl nicht mit einem größeren Einsatz von Filtern gerechnet wird, so ist das Objektiv doch mit einem Standard-Filtergewinde mit einem Durchmesser von 55 Millimetern ausgestattet, das Sie vor allem für einen schützenden UV-Filter oder für einen Polarisationsfilter nutzen werden.
Das zweite grundlegende Zubehörteil ist die Gegenlichtblende. In diesem Fall handelt es sich konkret um die Canon ET-60B, die kreisförmig ist und deren Befestigung über ein klassisches Bajonett erfolgt. Diese Gegenlichtblende ist jedoch leider nicht im Preis des Objektivs enthalten und Sie werden für den Zukauf gezwungen sein, noch einmal rund 20 Euro draufzuzahlen, was für ein Plastikrad nicht gerade wenig ist (zudem ist es auch relativ unökologisch – ein Plastikring, der separat in einer weiteren, unnötig produzierten Schachtel verpackt ist).
Persönlich halte ich das für einen größeren Mangel, da die Gegenlichtblende automatisch im Preis inbegriffen sein sollte – am separaten Verkauf verdient der Hersteller ohnehin nicht viel, verärgert damit aber nur die Nutzer. Dabei ist es ein nützliches Stück Plastik, das nicht nur zur Abschirmung von unerwünschtem Seitenlicht dient, sondern auch ein recht wirksamer Schutz der Frontlinse des Objektivs vor Beschädigungen ist.
Der aktuelle Verkaufspreis (04/2023) des Objektivs Canon RF-S 55-210mm f/5-7,1 IS STM beträgt 430 € inklusive Mehrwertsteuer. Man kann jedoch recht deutlich sparen, wenn man das Objektiv in einem erweiterten, preisgünstigeren Set zusammen mit einer Kamera kauft. Beispielsweise kostet das Set mit zwei Objektiven Canon EOS R50 + Canon RF-S 18-45mm f/4,5-6,3 IS STM + Canon RF-S 55-210mm f/5-7,1 IS STM ca. 1.106 €, was als Gesamtpaket schon wesentlich interessanter ist.
Insgesamt habe ich beim Objektiv Canon RF-S 55-210mm f/5-7,1 IS STM ein wenig gemischte Gefühle. Einerseits muss man festhalten, dass es trotz des offensichtlichen und erheblichen Drucks zur Senkung der Produktionskosten sehr anständige Ergebnisse bei der Bildqualität liefert. Ein großer Vorteil sind auch die sehr kleinen Abmessungen und das sehr geringe Gewicht, insbesondere für Nutzer, die es auf längeren Ausflügen und generell auf Reisen in der Tasche bei sich tragen möchten. Sehr gut ist auch die Ausstattung in Form der hochwertigen optischen Stabilisierung und des großartigen STM-Fokusmotors oder des multifunktionalen Fokussierrings. Auf der anderen Seite ärgert das Fehlen der Gegenlichtblende im Preis ausdrücklich. Manch einen mag auch die geringere Lichtstärke oder das Kunststoffbajonett stören. Wenn ich das Ganze in Relation zum Verkaufspreis setze, dann muss ich sagen, dass dieser zwar nicht ausdrücklich schlecht ist, aber doch noch hätte niedriger sein können – auf jeden Fall unter die Grenze von 400 € und inklusive Gegenlichtblende.

Canon RF-S 55-210mm f/5-7,1 IS STM
ObjektiveDas Canon RF-S 55-210mm f/5-7,1 IS STM ist ein neues Teleobjektiv für spiegellose Kameras mit APS-C-Sensor. Es stellt eine kostengünstigere Lösung mit einem kompakten und leichten Design dank Kunststoffteilen, einschließlich des Bajonetts, dar. Dennoch ist die Bildqualität gut, mit scharfen Aufnahmen und geringer chromatischer Aberration. Das Objektiv bietet eine optische Stabilisierung, einen schnellen und leisen STM-Motor für den Autofokus sowie einen multifunktionalen Ring für die manuelle Fokussierung oder andere Funktionen. Die Naheinstellgrenze ermöglicht weniger anspruchsvolle Makrofotografien. Der Hauptnachteil ist die geringere Lichtstärke des Objektivs.
Vorteile
Nachteile