• Autor: Jan Vavřík
Erinnern Sie sich noch an die Zeit, als Kommunikation bedeutete, auf einen Brief zu warten, die Anzahl der SMS im Auge zu behalten oder das ikonische „Uh-oh“ von ICQ zu hören? Heute geht alles viel schneller, und die meisten Menschen betrachten Sofortnachrichten als selbstverständlich. Aber auch etablierte Kommunikationsplattformen verändern sich nach und nach und passen sich den neuen Nutzungsgewohnheiten an. Genau das ist auch bei WhatsApp der Fall. Meta hat nämlich einige Neuerungen angekündigt, die die App um neue Möglichkeiten für Unternehmen, Content-Ersteller und das Marketing erweitern sollen. So werden nach und nach Anzeigen und neue Formen der Monetarisierung von Inhalten in den Dienst integriert. Was steht alles an und wie wird sich das auf die Nutzer auswirken?
WhatsApp hat nicht vor, sich in ein klassisches soziales Netzwerk zu verwandeln, erweitert jedoch nach und nach Funktionen, die den Nutzern beispielsweise von Instagram oder Facebook bekannt sind. Meta will vor allem den Bereich „Aktuelles“ weiterentwickeln, in dem Statusmeldungen und Kanäle angezeigt werden. Offiziellen Angaben zufolge nutzen täglich etwa 1,5 Milliarden Nutzer diesen Teil der App, sodass es sich aus Sicht des Unternehmens um einen logischen Ort für solche Neuerungen handelt. Genau hier will WhatsApp das Entdecken von Inhalten, die Kommunikation mit Marken und neue Geschäftsmöglichkeiten stärker miteinander verknüpfen.
Die größte Neuerung ist die Einführung von Werbeanzeigen in Statusmeldungen. Diese sollen zwischen den einzelnen Statusmeldungen angezeigt werden, ähnlich wie es heute bei Werbeanzeigen zwischen den Stories auf Instagram oder Facebook der Fall ist.
Meta betont zudem, dass die Anzeigen von der privaten Kommunikation getrennt bleiben. Sie werden also weder in persönlichen Chats noch in Gruppenchats erscheinen. Wenn jemand WhatsApp hauptsächlich zum Schreiben von Nachrichten, für Anrufe oder zur Organisation von Gruppen nutzt, wird sich die normale Nutzung der App laut dem Unternehmen nicht wesentlich ändern.
Eine weitere Neuerung sind gesponserte Kanäle. Content-Ersteller, Medien oder Unternehmen können dafür bezahlen, dass ihr Kanal im WhatsApp-Verzeichnis besser sichtbar ist. Ziel ist es, den Nutzern das Entdecken neuer Kanäle zu erleichtern und den Betreibern gleichzeitig eine weitere Möglichkeit zu bieten, ein breiteres Publikum anzusprechen.
Kanäle spielen somit eine deutlich wichtigere Rolle als bisher. Aus einer ursprünglich ergänzenden Funktion entwickelt sich nach und nach ein Instrument, das sowohl zur Information der Follower als auch zum Aufbau einer Community oder für die Marketingkommunikation genutzt werden kann.
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Eine kurze Geschichte von WhatsApp
WhatsApp wurde 2009 von Jan Koum und Brian Acton, zwei ehemaligen Mitarbeitern von Yahoo, gegründet. Die App gewann dank ihrer Einfachheit, Schnelligkeit und der Tatsache, dass sie lange Zeit werbefrei war, schnell an Beliebtheit. Im Jahr 2014 wurde sie von Facebook, dem heutigen Unternehmen Meta, für rund 19 Milliarden Dollar gekauft. Nach und nach kamen Sprach- und Videoanrufe, Gruppenchats, Communities und Kanäle hinzu, doch WhatsApp behielt über viele Jahre hinweg seinen Ruf als einfacher Messenger.
WhatsApp führt gleichzeitig kostenpflichtige Kanalabonnements ein. Einige Kanäle können somit exklusive Inhalte nur Abonnenten anbieten. Nutzer können sich so den Zugang zu ausgewählten Updates oder weiteren Inhalten erkaufen, die für normale Follower nicht verfügbar sind.
Für Creator, Medien oder Organisationen ist dies eine neue Möglichkeit der Monetarisierung. Für WhatsApp selbst ist dies ein weiterer Schritt dahin, dass Kanäle zu einem vollwertigen Bestandteil der gesamten Plattform werden und nicht nur eine Nebenfunktion bleiben.
Die Einführung von Werbung wirft natürlich Fragen zum Datenschutz auf. Meta betont daher, dass der Inhalt privater Nachrichten, Anrufe oder Gruppenchats nicht für die gezielte Werbung genutzt werden soll. Diese Bereiche von WhatsApp bleiben zudem durch eine End-to-End-Verschlüsselung geschützt.
Aus Sicht des normalen Nutzers ist es auch wichtig, dass das Versenden von Nachrichten, Sprach- und Videoanrufe weiterhin kostenlos bleiben. Alle Neuerungen konzentrieren sich also, wie bereits erwähnt, hauptsächlich auf den Bereich „Aktuelles“ und ändern nichts am Grundprinzip des Dienstes, aufgrund dessen WhatsApp nach wie vor eines der meistgenutzten Kommunikationsmittel der Welt ist.
WhatsApp steht also vor einer der größten Veränderungen der letzten Jahre. Die Kernfunktionen der App bleiben unverändert, doch daneben entsteht nach und nach eine neue Ebene, die sich auf die Entdeckung von Inhalten, Marketing und die Unterstützung von Content-Erstellern konzentriert. Die wichtigsten Änderungen fassen wir in den folgenden Punkten zusammen: