Die Initiative One Laptop Per Child (2005–2014) setzte sich das Ziel, Computer auch in die ärmsten Regionen der Welt zu bringen – und zwar so, dass sehr günstige Geräte an Kinder verteilt werden, die damit die Grundlagen der Computertechnik erlernen und in den entlegensten Regionen zu Fürsprechern für Informationstechnologien werden. So stellte es sich zumindest der Gründer der Initiative, Nicholas Negroponte, vor.
Die Initiative basierte auf den Theorien des Mathematikers und Pädagogen Seymour Papert, der eine Vielzahl von Konzepten zur Vermittlung von Informationstechnologien entwickelte – darunter auch den Konstruktivismus, eine Theorie, die auf den Ideen des Entwicklungspsychologen Jean Piaget aufbaut. Diese Theorie geht davon aus, dass Kinder eine natürliche Begabung zum Lernen durch Interaktion mit ihrer Umwelt haben und dass Lernen durch Experimentieren in sozialen Kontexten eine weitaus effektivere Methode darstellt als klassisches „Pauken“ von Fakten.
Negroponte kam zu dem Schluss, dass die beste Methode zur Vermittlung von Informationstechnologien darin besteht, Kindern einfach ein Werkzeug in die Hand zu geben, mit dem sie spielen und experimentieren können. Er war der Meinung, dass eine herkömmlich strukturierte Computerausbildung nicht erforderlich sei, sondern dass die Kinder durch das Experimentieren lernen würden, wie man Technologie nutzt, programmiert und verwaltet. Kühn schlussfolgerte er sogar, dass in diesem Fall weder ein Lehrplan für Lehrer noch eine technische Infrastruktur erforderlich sei, da ältere Kinder in der Lage wären, ihre Computer selbst zu warten.
Laut Negroponte bestand die wichtigste Herausforderung darin, eine ausreichende Menge günstiger, aber robuster Laptops zu produzieren, die Kindern zur Ausbildung überlassen werden – nicht nur in der Schule, sondern das Gerät sollte ihnen gehören, damit sie auch nach der Schule experimentieren und in ihrem eigenen Tempo lernen können. Das grundsätzliche Problem bestand also darin, die Produktionskosten drastisch zu senken und ausreichend Geld von wohlhabenden Sponsoren zu erhalten, die das Projekt finanzieren würden. Der Lohn für diese Bemühungen sollte ein rascher Anstieg der Computerkompetenz in der Dritten Welt und eine deutliche Verbesserung der Bildungsqualität in diesen Ländern sein.
Negroponte setzte sich wirklich hohe Ziele, was sich nicht nur darin zeigte, dass er auf große Geldgeber und Unternehmen setzte, die sich zur Unterstützung des Projekts verpflichteten, sondern auch daran, dass er die Endkosten in einer Zeit, in der ein typischer Laptop etwa tausend Dollar kostete, auf nur hundert Dollar anpeilte. Einige Technologien, die er für das Gerät verwenden wollte, mussten jedoch erst entwickelt werden. Die endgültigen Kosten der Geräte konnten letztlich nicht bei den geplanten hundert Dollar gehalten werden – der Preis stieg schließlich auf fast zweihundert Dollar pro Stück – doch war es trotzdem ein beeindruckender Erfolg. Zudem half die Initiative, zahlreiche revolutionäre Technologien durchzusetzen, wie transreflektive Displays oder Prozessoren mit extrem niedrigem Energieverbrauch.