Die Reihe der Kompaktkameras Fujifilm X100 ist bereits seit vielen Jahren auf dem Markt und hat sich in dieser Zeit fast schon zu einer Legende entwickelt, da sie sich in vielerlei Hinsicht deutlich vom üblichen Angebot abhebt. Nicht zuletzt deshalb erscheint dieser Tage bereits die sechste Generation dieser Kamera mit der Bezeichnung Fujifilm X100VI, die Sie in der folgenden üblichen Nutzerrezension genauer studieren können.
Das Design zählt zu den größten Vorzügen der Fujifilm X100VI und hat sich seit der ersten Generation kaum verändert. Dies ist jedoch keineswegs ein Nachteil, sondern eher ein Pluspunkt, denn das Design ist so einzigartig und originell, dass es nahezu ikonisch geworden ist. Und zudem stellt sich die Frage, warum etwas verändert werden sollte, das sich langfristig bewährt hat und dieser Reihe von Kameras ihren charakteristischen, zudem wirklich schönen und bei den Nutzern äußerst beliebten und geschätzten Look verliehen hat. Zur Auswahl stehen außerdem zwei Varianten – entweder komplett schwarz oder eine Kombination aus Schwarz und Silber.
Das bedeutet jedoch nicht, dass die einzelnen Generationen völlig identisch wären – das sind sie wirklich nicht –, aber die grundlegenden Merkmale bleiben erhalten. Mir persönlich erscheint diese sechste Generation ausgesprochen elegant und zugleich sehr praktisch. Was mir sofort aufgefallen ist: Obwohl die Kamera insgesamt wirklich kompakt und sprichwörtlich taschentauglich ist, liegt sie erstaunlich gut in der Hand, und zwar selbst dann, wenn man – wie in meinem Fall – relativ große Hände hat. Das ist ein großes Plus, denn die meisten Konkurrenzkameras im Retro-Design haben kleinere oder größere ergonomische Schwächen. Das ist hier nicht der Fall, und die Fujifilm X100VI lässt sich ohne Weiteres sicher halten, bedienen und sogar mit nur einer Hand fotografieren, was manchmal Gold wert ist.
Dasselbe gilt für die Bedienung. Der Retro-Ansatz bedeutet, dass die meisten wichtigen Funktionen eigene mechanische Bedienelemente besitzen – dies gilt insbesondere für die Blendeneinstellung am Objektiv, die Belichtungskorrektur, die ISO-Empfindlichkeit, die Verschlusszeit und den Auslöser mit integriertem Hauptschalter, der sogar über ein Gewinde für einen klassischen Drahtauslöser verfügt. Einen schnellen Überblick über die Grundeinstellungen haben Sie also selbst dann, wenn die Kamera ausgeschaltet ist.
Gleichzeitig fehlen auch moderne Bedienelemente nicht, wie ein vorderes und hinteres Wahlrad, ein Steuerkreuz zur schnellen Navigation im Menü und natürlich die üblichen Funktionstasten. Auf der Rückseite befindet sich ein hochwertiger Touch-LCD-Monitor, der sich nach oben und unten klappen lässt. Sehr gelungen ist auch der hybride Sucher, bei dem sich zwischen optischem Durchsichtsucher (OVF) und klassischem elektronischem Sucher (EVF) mit einer Auflösung von rund 3,7 Mio. Bildpunkten umschalten lässt.
Allerdings muss gesagt werden, dass einige Bedientasten nur minimal hervorstehen, sodass sie rein nach Gefühl schwer zu ertasten sind. Auch das Menüdesign und die Beschriftung der Bedienelemente unterscheiden sich deutlich von allen konkurrierenden Marken (dieses „um jeden Preis anders sein wollen“). Wenn Sie also von einer anderen Kamera her bestimmte Abläufe gewohnt sind, kann dies hier anfangs etwas verwirrend sein. Andererseits gewöhnt man sich daran und die Bedienung ist nicht kompliziert.
Mechanisch ist die Fujifilm X100VI sehr solide konstruiert, wirkt robust und hält auch weniger sanfte Behandlung aus. Der Hersteller gibt zudem eine Wetterbeständigkeit gegen Feuchtigkeit (Regen) und Staub an, was besonders für anspruchsvolle Fotografen, die viel reisen oder auch bei schlechteren Bedingungen fotografieren, ein Pluspunkt ist.
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Bildsensor | APS-C, X-Trans CMOS 5 HR, 40 MP |
| Seitenverhältnis | 3 : 2 |
| ISO-Bereich | ISO 125–12 800 (64–51 200) |
| Sensor-Stabilisierung | ✓ (bis 6 EV) |
| Sensoreinigung | ✓ |
| Autofokus | 425 Punkte |
| AF-Empfindlichkeit | -4 bis +17 EV |
| Verschluss | 1/4 000 (1/180 000) s |
| Serienbildgeschwindigkeit | 11 (20) fps |
| LCD-Monitor | Touch 3“ (7,5 cm) / ca. 1,6 MP |
| Sucher | optisch / EVF ca. 3,7 MP |
| Video | 6,2K – 30p / 4K – 60p / Full HD – 240p |
| Drahtlose Schnittstellen | WiFi und Bluetooth |
| Kabelschnittstellen | USB-C, HDMI, Mikrofon |
| Speicherkarten | 1× SD/SDHC/SDXC |
| Eingebauter Blitz | ✓ |
| Wetterbeständigkeit | ✓ |
| Farbausführungen | schwarz/silber |
| Abmessungen | ca. 128 × 75 × 53 mm |
| Gewicht des Gehäuses | ca. 521 g (inklusive Akku und Karte) |
Die sechste Generation der Fujifilm X100VI erhielt unter anderem einen völlig neuen Sensor: den X-Trans CMOS 5 HR im APS-C-Format mit einer hohen Auflösung von 40 MP und einer optischen Stabilisierung mit einer Leistung von bis zu 6 EV. Eine automatische Sensoreinigung ist ebenfalls vorhanden, was allerdings bei einer vollständig geschlossenen Kompaktkamera mit deklarierter Wetterbeständigkeit eher kurios wirkt. Andererseits gilt: Lieber etwas mehr Ausstattung als etwas zu wenig.
Das verwendete Objektiv ist ein Fujinon 23 mm f/2 mit zwei asphärischen Linsen. Da der Sensor im APS-C-Format arbeitet, entspricht der Bildwinkel einem 35-mm-Objektiv an Kleinbild. Die Brennweite 35 mm gehört zu den beliebtesten und am universellsten einsetzbaren Brennweiten überhaupt. Genau deshalb wurde sie wohl gewählt – und sie ist ein wichtiger Bestandteil des Erfolgs dieser Kamera bei Fotografen, die Vielseitigkeit schätzen.
Eine Festbrennweite hat klare Vor- und Nachteile. Zu den Vorteilen gehören kompakte Abmessungen und hohe Lichtstärke – beides Eigenschaften, die die gesamte Kamera definieren. Zudem handelt es sich bereits um die x-te Generation dieses Objektivs, wodurch dessen Qualität erprobt und technisch ausgereift ist. Der Nachteil kann natürlich die feste Brennweite selbst sein, die unter bestimmten Umständen einschränken kann. Die Fujifilm X100VI bietet jedoch zwei teilweise ausgleichende Optionen: einen „digitalen Telekonverter“, der Bildausschnitte mit simulierten Brennweiten von 50 und 70 mm ermöglicht, sowie echte Vorsatzobjektive.
Die Kombination aus Festbrennweite und modernstem Sensor sorgt für hervorragende Ergebnisse. Die Bilder sind insgesamt sehr hochwertig, der Sensor bietet einen großen Dynamikumfang und bewahrt Farbwiedergabe und Kontrast selbst bei hohen ISO-Werten. Auch das Rauschen ist minimal und die Bildqualität verschlechtert sich nur in Ausnahmefällen und bei extrem schlechten Lichtbedingungen.
Das Objektiv liefert eine sehr gute Schärfe in praktisch allen Situationen. Verzeichnung oder chromatische Aberration konnte ich in der Praxis nicht feststellen. Auch das Bokeh wirkt angenehm und natürlich. Dank der hohen Lichtstärke lässt sich das Motiv leicht vom Hintergrund trennen und mit der Tiefenschärfe spielen. Gegenlicht meistert das Objektiv gut, mit Ausnahme direkter Sonnenaufnahmen, bei denen gelegentlich Reflexe oder ein weniger schöner Sonnenstern auftreten.
Auch das Autofokussystem ist hervorragend – schnell, leise, präzise und zuverlässig, selbst bei sehr wenig Licht. Bewegte Motive werden problemlos verfolgt, einschließlich Augen-AF (für Menschen und Tiere). In der Praxis getestet an einer Deutschen Schäferhündin – der AF arbeitete tadellos. Für Action-Situationen steht außerdem die schnelle Serienbildaufnahme mit 11 Bildern/s (mechanisch) bzw. 20 Bildern/s (elektronisch) zur Verfügung. Die Naheinstellgrenze beträgt nur 10 cm, womit auch Detailaufnahmen sehr gut möglich sind.
Ebenfalls erfreulich ist der integrierte Blitz. Er besitzt zwar nur eine Leitzahl von 4,4 (bei ISO 100), doch das reicht für schnelle Situationen und zur Aufhellung völlig aus – insbesondere, wenn man die ISO anpasst. Bei kontrastreichen Szenen kann er wertvolle Dienste leisten.
Im Bereich der fotografischen Funktionen bietet die Kamera unter anderem Film-Simulationsmodi, die die Farbwiedergabe legendärer Emulsionsmaterialien wie Fuji Velvia oder Fuji Provia imitieren. Ebenfalls nützlich ist der integrierte ND-Filter, der die Lichtmenge um bis zu 4 EV reduziert – ideal für Aufnahmen mit offener Blende bei Sonnenschein.
Video ist natürlich auch vorhanden, und zwar sogar in 6,2K (6 240 × 3 150 px) mit 30p. Dazu 4K/60p und Full HD bis 240p in den Formaten MPEG-4 AVC/H.264 und HEVC/H.265.
Für die Fujifilm X100VI ist natürlich umfangreiches Zubehör erhältlich. Am interessantesten ist wohl das Zubehör für das Objektiv, das weder über ein Gewinde für Filter noch über einen Bajonettanschluss für eine Sonnenblende verfügt; selbst der Objektivdeckel ist nur aufsteckbar – hält dafür aber gut. Wenn Sie also Filter oder Gegenlichtblende verwenden möchten, gibt es zwei Möglichkeiten: entweder spezielle Filter, die direkt anstelle des Deckels auf den Objektivring gesteckt werden, oder ein Adapterring mit Gewinde. Eine eher ungewöhnliche Lösung, die aber einen Vorteil bietet: Filter und Blende lassen sich blitzschnell aufstecken, was viel schneller geht als Schrauben. Was jedoch stört: Im Lieferumfang befindet sich nur der Objektivdeckel – weder Adapter noch Sonnenblende sind enthalten. Angesichts des Preises ist das bedauerlich, zumal das Originalzubehör nicht gerade günstig ist.
i
Interessant sind auch die zwei erwähnten Vorsatzobjektive, die das Problem der festen Brennweite teilweise lösen. Erhältlich sind aktuell zwei Versionen: Fujifilm WCL-X100 II (Weitwinkel, entspricht 28 mm) und Fujifilm TCL-X100 II (Tele, entspricht 50 mm). Beide werden farblich passend zur Kamera in Schwarz oder Silber angeboten. Getestet habe ich sie jedoch nicht.
Erwähnenswert ist zudem der Fujifilm NP-W126S Akku mit 1 260 mAh, der selbstverständlich zum Lieferumfang gehört – ein separates Ladegerät hingegen nicht. Das ist jedoch kein Problem, denn wie bei vielen modernen Kameras wird der Akku in der Kamera über eine beliebige USB-C-Ladequelle geladen. Das ist praktisch identisch zum Smartphone-Laden. Die Laufzeit gibt der Hersteller mit rund 420 Aufnahmen an, was ich in der Praxis als realistisch einschätzen würde. Also kein Spitzenwert, aber durchaus solide.
Unter dem gleichen Fach wie der Akku befindet sich auch der Slot für die SD-Speicherkarte. Ein zweiter Slot fehlt – wäre nett, ist aber bei einer Kamera dieser Art nicht zwingend notwendig. An der Seite befinden sich die drei Anschlüsse: ein 2,5-mm-Mikrofonanschluss (kompatibel auch mit Fernauslösern), sowie USB-C und Micro-HDMI. Drahtlose Kommunikation übernehmen – wie üblich – Bluetooth und WiFi.
Für wen ist die Fujifilm X100VI eigentlich gedacht? Sicherlich nicht für die breite Masse. Manchmal wird sie als professionell bezeichnet – was immer das im Detail heißen mag. Jedenfalls ist sie ein außergewöhnliches Produkt, das sich in vielerlei Hinsicht von der marktüblichen Auswahl abhebt. Das lässt sich der Hersteller entsprechend bezahlen: Der aktuelle Verkaufspreis (02/2024) liegt bei 1.799 €, und auch das Zubehör ist nicht günstig.
Dafür erhält man jedoch eine wirklich einzigartige und ästhetisch herausragende Kamera. Neben dem Design überzeugen die weiterhin kompakten Abmessungen, die hochwertige Verarbeitung, die Materialqualität sowie die Wetterbeständigkeit. Das Design ist nicht nur schön, sondern auch praktisch – im Gegensatz zu vielen Retro-Modellen der Konkurrenz liegt die Kamera hervorragend in der Hand. Dazu kommen die erstklassige Festbrennweite mit hoher Lichtstärke, der moderne Sensor mit starker Stabilisierung und der schnelle, präzise Autofokus. Auch die Funktionsvielfalt ist sehr groß, einschließlich Besonderheiten wie Filmsimulationen, integriertem ND-Filter und eingebautem Blitz.
Natürlich gibt es auch Nachteile: an erster Stelle der Preis. Weiterhin sind einige Tasten sehr flach, was die Bedienung erschweren kann, insbesondere wenn man nicht auf die Kamera schaut oder im Dunkeln arbeitet. Und dass die Sonnenblende nicht im Lieferumfang enthalten ist, ist schlicht ärgerlich.
Einige Eigenschaften sind schwer eindeutig zu bewerten, da sie je nach Nutzer entweder Vorteil oder Nachteil sein können. Dazu gehört das feste Objektiv, das von Fotografen mit Vorliebe für Purismus geliebt wird, während es für Reisende oder Reporter einschränkend sein kann. Gleiches gilt für das Retro-Design und die mechanischen Bedienelemente: Für manche ein Traum, für andere eine Umgewöhnung. Dass das Objektiv kein Filtergewinde besitzt, zwingt außerdem zu speziellem Zubehör oder einem Adapter. Andererseits ist das schnelle Aufstecken von Zubehör viel komfortabler als Schrauben.
Wie auch immer – die Fujifilm X100VI ist in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich. Ob man sich in sie verliebt oder sie einen kalt lässt, hängt stark von persönlichen Vorlieben ab. Meiner Einschätzung nach wird sie besonders anspruchsvolle Fotografen ansprechen, die ihre Stärken nutzen können. Häufig wird sie auch als „Zweitkamera“ in einer größeren Ausrüstung dienen – für Situationen, in denen man nicht die gesamte schwere Ausrüstung mitnehmen möchte und dennoch hohe Bildqualität erwartet.

Fujifilm X100VI
KompaktkamerasAußergewöhnliches Design, hervorragende Verarbeitung, kompakte Abmessungen und erstklassige Bildqualität – so lässt sich die Digitalkamera Fujifilm X100VI zusammenfassen. Auch wenn der Preis hoch ist und manche Details wie die fehlende Sonnenblende im Lieferumfang störend wirken können, gleichen die Gesamtleistung und die praktischen Eigenschaften dies klar aus. Die Kamera richtet sich an Nutzer, die Retro-Design mit moderner Technologie schätzen und ein Werkzeug mit Spitzenleistung suchen. Wenn Sie zu den anspruchsvolleren Fotografen gehören, die bereit sind, in Qualität und Originalität zu investieren, wird die Fujifilm X100VI Sie nicht enttäuschen und kann zu einem zuverlässigen Begleiter auf Ihren fotografischen Wegen werden.
Vorteile
Nachteile
Michal Kupsa
Michal Kupsa wurde im Jahr 1970 in Brno (Brünn) geboren. Mit dem Fotografieren begann er bereits im Alter von 15 Jahren und wurde nur drei Jahre später auch journalistisch tätig. Er hat mit zahlreichen prestigevollen tschechischen und internationalen Medien zusammengearbeitet. Dazu zählen das staatliche Tschechische Fernsehen (Česká televize) und Rundfunk (Český rozhlas), National Geographic, die US- Kongressbibliothek, die Zeitung iDNES, die tschechische Hilfsorganisation Člověk v tísni (People in Need), sowie die meisten tschechischen Fachmagazine über die Fotografie und das Fotografieren. Zu seinen Hauptätigkeiten zählen Reiseberichte, Rezensionen zur Fototechnik und die Leitung von Fotografiekursen.